Howdy,
nachdem ich in verschiedenen Postings und Blogs auf PS.com die letzten Tage des Öfteren Diskussionen über Spielstile verfolgt habe, bei der unter anderem ein Spieler mit 24/16-Style als NIT bezeichnet wurde mit dem Hinweis, dass er damit auf 10ct/20ct longterm dennoch ein 1BB/100 Winning-Player sein sollte, fühle ich mich mit meinem 22/15-Style persönlich betroffen genug, um meine Meinung dazu kund zu tun:
Erklärung
Der Spielstil (Style) definiert die PREflop-Aktionen eines Spielers anhand von VPIP/PFR.
VPIP = Frequenz eines Spielers, eine Hand zu spielen
PFR = Frequenz eines Spielers, eine Hand preflop zu erhöhen
Beispiele
15/10 würde bedeuten, das ein Spieler die besten 15% aller möglichen Starthände spielt, mit den besten 10% aller Starthände steigt er Preflop mit einem Raise in die Hand ein.
Unten sehen wir eine 10%-Range:
Gängige Styles:
- 18/12
- 21/14
- 24/16
- 27/18
- 30/20
- 33/21
Gedanken
Jede Pokerschule propagiert unterschiedliche Preflop-Charts, die sich dann (z.B. bei PS.com) bei wachsender Spielstärke nochmal ändern.
Für Anfänger wird ein sehr tightes Preflop-Chart verwendet, um das Postflop-Spiel zunächst mit Starthänden zu erlernen, die in den meisten Situationen eine gute Equity haben.
Je kleiner die Range eines Gegners, desto leichter kann man gegen ihn spielen, je größer die Range, desto schwerer tut man sich mit seiner Range-Reduktion, weil die Möglichkeit, Fehler zu machen steigt, je größer die Range wird.
Da sich der größte Teil der Regulars ab einem gewissen Limit (keine Ahnung, ob ab 2$/4$, 3$/6$ oder erst 5$/10$) auf einem identischen Skill-Level befinden, kann ich mir gut vorstellen, dass es sinnvoll ist, sein Spiel “aufzuloosen” – also seine Range zu erweitern, um eventuelle marginale Vorteile dadurch zu vergrößern, bzw. die Fehlerquote bei den Gegnern zu erhöhen.
Auswirkungen auf Mich
Mit der Aussage, dass man auf den Micros (2ct/4ct bis 25ct/50ct) mit einem 24/16-Style 1BB/100 erreichen kann, bin ich so nicht einverstanden, da der durchschnittliche Postflop-Skill eher niedrig ist.
Ich würde sagen, der größte Teil der Gegner spielt ohne Datenbank, ohne Heads-Up-Display, ohne Chart, analysiert keine Hände, interessiert sich nicht für Strategie, passt sich nicht an Gegner an, denkt nicht in Ranges, reduziert diese logischerweise auch nicht, hat noch nie von Odds und Outs gehört, versteht die Mathematik von Poker nicht – kurz gesagt: besteht zur überwiegenden Mehrheit aus Freizeitspielern, Gamblern und Anfängern, die zwar ambitionierte Träume haben, von der Verwirklichung jedoch meilenweit entfernt sind.
Dass man auch mit tightem Spiel erfolgreich sein kann zeigt folgender Graph:
Anzumerken ist noch, dass ein 24/16-Spieler ja nicht 16% seiner Range aus allen Positionen raised, sondern aus EP etwa 10%, aus MP 15% und je später seine Position am Tisch ist, entsprechend aufloosed, bis man im Small Blind dann bei etwa 62% angekommen ist.
Wenn ich im Big Blind einen tighten Gegner habe, der selten seinen Blind verteidigt, macht es natürlich Sinn, viel aus dem Small Blind zu stealen.
Da auf meinen Limits die Mehrheit aus Fischen besteht, die 95% – 100% ihren Big Blind verteidigen (weil sie ja schon 1SB investiert haben und auf jeden Fall den Flop dafür sehen wollen), ist es meiner Meinung nach eben nicht mehr gut, mit Händen wie Q4o oder T6o zu stealen.
Da ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhabe, die Small Stakes oder gar die Midstakes zu erreichen, bin ich mit meinem 22/15-Style (der nur so niedrig ist, weil ich aus BU und SB sehr “nittig” bin – EP bis CO ist alles gut) und einer Winrate von 4,43BB/100 momentan Herr der Lage, und sehe überhaupt keine Veranlassung, mein Spiel aufzuloosen gegen eine Gegnerschaft, die sowieso keinerlei Notiz von mir nimmt!
Für meine Challenge muss ich noch nicht mal bis zum Limit 50ct/1$ aufsteigen. Noch $ 1.000,– auf 25ct/50ct reinspielen würde bei einer angemessen zu erwartenden Winrate von 1,5 BB/100 etwa 134.000 zu spielenden Händen entsprechen – da kommen dann in etwa noch $ 150,– bis $ 200,– Rakeback dazu und schon “passt der Kittel!”
Aber: immer schön einen Schritt nach dem anderen!
Den Rest wird man sehen…
Just my 2 cents.
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Auf den unteren Limits lohnt sich ein looserer Spielstil in der Regel auch weniger, weil der Rake hoeher ist.
Greetz
Welcome churib!
Schön Deine Meinung zu hören…
Yip, der Rake ist nicht zu knapp auf den Micros.
Solange die Winrate stimmt, sollte man sich eigentlich mit solchen Themen gar nicht großartig beschäftigen – die These im Forum, mit 24/16 wäre man eine Nit, hat mich aber dann doch mehr beschäftigt…
Greetz back